Vereinssterben: Vereinskultur im Wandel

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In welchen Verein man auch blickt, überall stöhnen die Verantwortlichen über einen Mangel an Nachwuchsmitgliedern. Doch es sind nicht nur die schwindenden Mitgliedsbeiträge, die ihnen Sorgen machen, so mancher Verein sieht sich mangels aktiven Mitgliedern sogar vor dem Aus.

Demographischer Wandel wird spürbar

Zweifelsfrei befindet sich die gesellschaftliche Altersstruktur in einem Umbruch. Gerade in den westlichen Industrienationen werden die Menschen immer älter, während die Geburtenraten einen erschreckenden Abwärtstrend aufzeigen. Logischerweise geht diese Entwicklung auch an den Vereinen nicht ohne Folgen vorüber. Wenn es immer weniger Kinder gibt, so gibt es auch immer weniger potenzielle Vereinsmitglieder. Die Verbliebenen werden hingegen immer älter, ein Problem, welches gerade im ländlichen Raum immer deutlicher zutage tritt.

Interessenslagen ändern sich

Es ist natürlich nicht nur der Rückgang der Geburtenrate, welcher die Verantwortung für die Veränderung der Vereinslandschaft trägt. Auch die Interessenslagen der potenziellen Mitglieder haben sich deutlich verändert. Vor allem Chöre sind von dieser Tatsache stark betroffen. Während ihre Mitgliederzahl rapide sinkt, erleben körperbetonte Sportarten technisch spezialisierter Vereine einen enormen Zuwachs.

Familienstrukturen tragen Mitverantwortung

Das klassische Familiensystem mit einem berufstätigen Vater und einer den Haushalt und die Kinder versorgenden Mutter gehört längst der Vergangenheit an. Heute gehen zumeist beide Elternteile einer Erwerbstätigkeit nach. Da ist es nur verständlich, dass niemand in der dann noch verbleibenden Familien- und Freizeit wirklich Lust dazu hat, das Kind in ein Vereinsleben einzubinden und die dortige Verantwortung mitzutragen.
Hinzu kommen nicht nur der häufige Zeitmangel, sondern auch die Wahrnehmung des Angebots der Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten. Dort können die Heranwachsenden häufig an Arbeitsgemeinschaften entsprechend ihrer Interessenslagen teilnehmen und sind demnach mit Freizeitaktivitäten durchaus ausgelastet. Die Zeit nach der Schule wird dann fürs Lernen oder für Unternehmungen mit Freunden und weniger für den Verein reserviert.

Eltern zeigen sich zu nachgiebig

Eigentlich sollten Kinder einer Freizeitbeschäftigung nachgehen, die ihnen Freude bereitet und in ihrem Interessensbereich liegt. Doch gerade Letzteres ist in jungen Jahren noch sehr wechselhaft und nur wenig gefestigt. Was heute Spaß macht, muss dies morgen noch lange nicht tun.
Die Auffassung, Kinder sollten sich auch hinsichtlich ihrer Freizeit getrost ausprobieren, ist durchaus verständlich und auch sinnvoll. Allerdings ebnet dies einer gewissen Sprunghaftigkeit den Weg und führt dazu, dass die Vereine nicht nur einen Mitgliederschwund, sondern auch einen raschen Mitgliederwechsel verkraften müssen. Dabei bedeutet die Mitgliedschaft in einem Verein auch für ein Kind eine gewisse Verantwortungsübernahme vor allem gegenüber den anderen Mitgliedern.
Deshalb sollten Eltern bei den ersten Unlust-Anzeichen ihrer Kleinen nicht sofort klein bei geben und nach einer besseren Beschäftigung Ausschau halten. Viel sinnvoller für alle Beteiligten ist es stattdessen, die oftmals angebotenen kostenlosen Probeteilnahmen ausgiebig zu nutzen und anschließend gemeinsam mit dem Kind eine verbindliche Entscheidung zu treffen. So beugt man Teilnahmeabbrüchen vor und kann eine zwischenzeitliche Durststrecke gemeinsam überwinden.

Soziale Kompetenz dank Vereinsmitgliedschaft

In erster Linie soll eine Vereinsmitgliedschaft den Kindern natürlich Spaß machen. Allerdings bringt sie noch weitere entscheidende Vorteile, die vor allem für die soziale Entwicklung nicht unerheblich sind.
Zum einen werden durch die regelmäßige Teilnahme Sozialkontakte zu Gleichaltrigen, aber auch zu jüngeren und älteren Kindern und häufig auch zu anderen Kulturkreisen und Weltanschauungen geknüpft. Die teilnehmenden Kinder profitieren dabei durch eine Offenheit, die sie anders nur selten entwickeln können. Gleichzeitig entsteht in Vereinen ein „Wir-Gefühl“, durch das man sich füreinander verantwortlich fühlt. Die Vereinsmitglieder werden zum Team, in dem man aufeinander angewiesen ist. Eigene Wünsche und Bedürfnisse zurückzustecken zugunsten der Gemeinschaft, aber auch Position zu beziehen, kann man an kaum einem anderen Ort derart intensiv trainieren als im Verein. Natürlich lernen die Kinder auch, Pflichten zu übernehmen. Gerade deshalb ist es so wichtig, bei der ersten Unlust nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen.

 

(Quelle: https://www.kinder.de/themen/familienleben/familienleben-spiel-spass/vereinssterben-vereinskultur-im-wandel/?fbclid=IwAR2bzjRei1iqJoNphX7jgDXdKIzFtVWEBlihl6dhVHrpzWwq-oYoO-EzjO0)